Wenn der Sommer geht - was der Herbst uns über Gesundheit lehren kann
Ich gebe es zu: Ich bin jedes Jahr ein bisschen wehmütig, wenn der Sommer zu Ende geht.
Wenn die Tage kürzer werden, die Abende früher dunkel und die Wärme langsam verschwindet, fällt mir der Abschied nicht ganz leicht. Ich liebe die langen hellen Abende, die Wärme auf der Haut, das Leben draußen und dieses Gefühl von Weite.
Und trotzdem entdecke ich jedes Jahr aufs Neue etwas Schönes im Herbst.
Die Natur macht es uns vor
Schauen wir uns einmal draußen um: Die Natur beginnt, ihre Kräfte neu zu verteilen.
Die Blätter verändern ihre Farbe und fallen. Das Wachstum wird langsamer. Die Tage werden kürzer. Die Natur zieht sich ein Stück zurück und bereitet sich auf eine andere Jahreszeit vor.
Sie versucht nicht, den Sommer festzuhalten.
Und sie muss auch nicht das ganze Jahr über gleich viel leisten.
Vielleicht können wir Menschen uns davon etwas abschauen.
Denn unser Alltag sieht häufig anders aus. Wir funktionieren weiter, obwohl sich unsere Energie verändert. Wir planen, organisieren, arbeiten, kümmern uns – und erwarten manchmal von uns selbst, dass wir unabhängig von Jahreszeit und Lebensphase immer gleich leistungsfähig sind.
Aber unser Körper ist kein Uhrwerk, das jeden Tag dieselbe Leistung erbringen muss.
Auch wir brauchen unterschiedliche Zeiten
Gesundheit bedeutet für mich deshalb nicht nur, möglichst viel für den eigenen Körper zu tun.
Gesundheit bedeutet auch, wahrzunehmen, was der eigene Körper gerade braucht.
Vielleicht brauchen wir im Herbst etwas mehr Schlaf. Mehr Wärme. Regelmäßigeres Essen. Bewegung draußen – auch wenn die Sonne nicht jeden Tag scheint. Vielleicht tut es gut, abends früher zur Ruhe zu kommen und nicht mehr jeden freien Moment mit Aktivitäten zu füllen.
Und vielleicht ist genau jetzt ein guter Zeitpunkt, sich einmal zu fragen:
Was brauche ich eigentlich gerade?
Nicht:
Was muss ich noch schaffen?
Sondern:
Was würde mir guttun?
Weniger müssen. Mehr wahrnehmen.
Das bedeutet nicht, dass wir im Herbst plötzlich alles langsamer machen oder uns aus unserem Alltag zurückziehen müssen.
Es geht vielmehr um einen kleinen Perspektivwechsel.
Unser Körper gibt uns ständig Signale. Müdigkeit, Anspannung, Verdauung, Schlaf, Appetit, Konzentration und Stimmung erzählen uns etwas darüber, wie es uns gerade geht.
Wir müssen diese Signale nicht immer sofort lösen.
Aber wir können anfangen, ihnen zuzuhören.
Vielleicht ist der Herbst dafür eine besonders gute Jahreszeit.
Eine Zeit, in der wir nicht nur nach außen schauen, sondern auch wieder ein wenig mehr nach innen.
Und vielleicht gehört auch die Wehmut über den vergangenen Sommer dazu.
Denn nicht jede Jahreszeit muss uns gefallen, damit sie wertvoll sein kann.
Vielleicht dürfen wir einfach dort sein, wo wir gerade sind.
Und uns fragen:
Was brauche ich – in dieser Jahreszeit meines Lebens?
Herzlich, Ihre Susanne Bremer

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